The slow lane



Istanbul, 7. Juli 2009 - 16. Juli 2009


Nachdem wir das Schwarze Meer erreicht hatten, haben wir uns entschieden ein wenig zu „schummeln“ und mit dem Bus nach Istanbul zu fahren. Erstens mussten wir uns dort noch in den Kampf mit den Behörden stürzen um Visas für Russland, Kasachstan und China zu organisieren und zweitens befürchteten wir nicht genug Zeit in den entlegenderen Regionen zu haben, denn in Kirgistan und China erwarten uns noch einige 3.000 – 4.000 Meter hohe Pässe, in denen es bereits Mitte Oktober zu schneien anfängt.

Somit standen wir das erste Mal vor dem logistischen Problem, all unser Equipment zu transportieren. Doch entgegen unseren Befürchtungen war die Busfahrt weit weniger kompliziert, als erwartet. Zwar schien die Buscrew trotz Ankündigung nichts von ihrem Glück mit den Fahrrädern zu wissen, doch nach einer kurzen Diskussion und einigem Kopfschütteln fingen sie an die Fahrräder und all unser Gepäck zu verstauen.

Wir erreichten Istanbul um sechs Uhr am nächsten Morgen; Kilometer entfernt vom Zentrum der Stadt. Der einzige Weg ins Zentrum führte über einen sechsspurigen Highway und da wir noch nicht einmal einen Stadtplan besaßen, beschlossen wir ein Taxi zu nehmen. Somit machten wir uns auf die Suche nach einem geeigneten Taxi. Doch obwohl ein riesiger Parkplatz mit Taxen voll stand, war keines davon grösser als ein VW Polo. Als ein sehr freundlicher Mann sah, dass wir offensichtlich ein Taxi suchten, zögerte er nicht lange und half uns. Sofort startete er die Diskussion mit einem Taxifahrer, gestikulierte mit den Händen, deutete auf unsere Fahrräder und sagte dann: „Türkisch-Taxi, kein Problem!“. Keine zwei Minuten verliessen wir schon den Bushof. Sheri sass eingequetscht wie eine Ölsardine mit all unserem Gepäck auf der Rückbank und die Fahrräder guckten halb aus dem Kofferraum des Taxis.

Inmitten des Herzens der Altstadt gibt es ein ganzes Viertel voller Youth Hostels und so dauerte es nicht lange, bis wir eine Unterkunft gefunden hatten. Unser Hostel hatte eine wunderschöne Dachterasse von der wir aus auf der einen Seite die Blaue Moschee und auf der anderen Seite das Meer sehen konnten, auf dem ständig Fracht- und Kreuzschiffe ankamen und unzählige Fähren von der europäischen zur asiatischen Seite Istanbuls fuhren.

Wir verbrachten Tage damit durch die Stadt zu wandern und den bunten Mix aus Alt und Neu und West und Ost zu erkunden. Wir besichtigten Moscheen, Basaare, viele kleine Strassen, genossen frisch gepressten Orangensaft, Fisch-Sandwiches, Mezzes und natürlich Kebap. Istanbul ist die Stadt der Vielfalt und an jeder Ecke gibt es etwas neues zu entdecken. An einem Tag sind wir mit der Fähre den Bosporus hoch bis zu einem kleinen Hafendorf gefahren und auf eine alte Burg gewandert, von wo wir aus eine tolle Aussicht auf das Schwarze Meer geniessen konnten.

Weiterhin hatten wir das Glück neue Leute durch Couchsurfing , einem weltweiten Netzwerk von Reisenden, die anderen Reisenden Plätze zum Schlafen anbieten, zu treffen. Wir trafen uns mit Latif, bei dem wir zwei Tage übernachten konnten. Zusammen mit seinem anderen Gast, Richard aus Frankreich verbrachten wir einige sehr nette Abende mit guten Unterhaltungen in den Kneipen und Restaurants Istanbuls. Latif ist ein aussergewöhnlicher Gastgeber und wir waren sehr beeindruckt von seiner Gastfreundschaft und Grosszügigkeit. Durch Ihn war es uns möglich das Istanbul fern ab vom Tourismus kennen zu lernen.

Doch wir waren nicht nur zum Vergnügen in Istanbul. Da es unser Plan war über Land von der Ukraine aus durch Russland und Kasachstan nach Usbekistan zu fahren (siehe Menüpunkt „über die Reise“), mussten wir uns noch um einige Visas kümmern. Nach reichlich Recherche wurde dann klar, dass es doch wesentlich mehr Aufwand bedeutet, die erforderlichen Visas zu beantragen. Das Haupthinderniss hierbei war das russische Visum. Für ein Fünf-Tage Transit Visum brauchten benötigten wir neben einer Hotelreservierung im Zielland bereits das Zugticket, das zeigte, dass wir Russland auch wieder verlassen. Man versuche aber mal in Istanbul ein Zugticket von der Ukraine bis nach Bukhara, Uzbekistan zu bekommen! So beschlossen wir schweren Herzens, unseren Plan über Land nach Usbekistan zu fahren, über den Haufen zu schmeissen und zu fliegen. Das schonte sowohl unsere Nerven (die wir später noch für das chinesische Visum brauchen sollten) als auch unseren Geldbeutel.

Am Morgen des 16. Juni brachten wir unsere in Pappboxen eingepackten Fahrräder zum Flughafen, wo wir sie zusätzlich in ca. 15 Meter Zelophan-Folie einpacken liessen und dann nach einer kleinen Diskussion mit dem Bodenpersonal (natürlich wusste niemand etwas von zwei Fahrrädern, obwohl das Reisebüro zwei Mal angerufen und sich versichert hat - hatte ein leichtes De-ja-vue….) als Gepäck aufgegeben. Unser Flug in einer „neuwertigen“ Boeing 737-200 war sehr entspannt und bot uns tolle Ausblicke auf die Wüstenlandschaft unter uns.

Übrigens: Wenn ihr auf der Suche nach einem passenden Passagierflugzeug für euch seid, auf der Seite von Uzbekistan Airlines’ gibt’s zu Zeit russiche Iljuschin II zum Schnäppchenpreis!